Unser kleiner Roadtrip und noch ein bisschen Alltag

Seit meinem letzten Eintrag ist einiges hier passiert. Zum einen hat sich jetzt auch langsam ein Nachmittagsprogramm eingestellt, zum anderen haben wir wieder ein bisschen mehr von Namibia kennengelernt, aber dazu später.

In den Schulstunden spielen wir im Moment noch Handball, werden aber sehr bald zu anderen Sportarten/Spielen übergehen. Insgesamt ist es sowieso so, dass die erste Frage der Jungs ist, ob wir heute Fußball spielen. Und so wird der Handball gegen den Fußball ausgetauscht und bei den älteren Schülern spielen wir dann auch mal mit und ich versuche mich nicht mit meinen Fußballkünsten komplett zu blamieren. Ein anderes Spiel, das gerade bei den 7. Klassen an der !Nara Primary sehr beliebt ist, ist "Justus Game", benannt nach unserem Vorgänger, das bei uns als Zombieball bekannt ist (wer das Spiel nicht kennt: man muss sich gegenseitig abwerfen, was mit einem Handball zwar nicht so angenehm, aber den Kindern relativ egal ist). Und wenn dann die Sportlehrer noch (Quinton eingeschlossen) mitspielen, macht es natürlich doppelt Spaß.

Nun zu den Nachmittagen:

Montags ist Haushalts-/Putz-/Wasch-/Einkaufstag und was sonst noch so ansteht.

Dienstags und Mittwochs steht jetzt bei mir Basketball auf dem Plan. Nachdem ich endlich nach langem Suchen festgestellt habe, dass es in Kuiseb einen Basketballplatz gibt, habe ich mal in der Schule angefragt, ob es eventuell möglich wäre Basketballtraining anzubieten. Da ich leider nur eine Altersgruppe nehmen kann und es nicht sehr viele U13-Mädels gibt (da es nächstes Jahr nur noch 2 6. und keine 5. Klassen gibt) habe ich mal in den 3. und 4. Klassen nachgefragt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass zu unserem ersten Treffen nach der Schule viele Mädchen im Klassenzimmer auftauchen würden und war dementsprechend sehr erstaunt als ich am Ende in einem Klassenzimmer voll mit 10-jährigen Mädels stand. Eine dreiviertel Stunde später hatte ich eine fünfseitige Liste mit 85 Namen, die alle am Mittwoch erscheinen wollten.

Wirklich aufgetaucht sind dann so um die 60 plus noch ein paar Freundinnen oder Kinder, die gerade vorbeigekommen sind. Und so habe ich mein erstes Basketballtraining mit über 60 Kindern, einem Basketballplatz, einem Netballfeld und sechs Bällen gehalten (ich weiß nicht mehr, warum genau ich mich zuhause über 20 Mädels im Training beschwert habe). Dementsprechend war das Training zwar nicht sonderlich produktiv, aber immerhin hatten die Mädels ihren Spaß. Diesen Mittwoch hat sich die Zahl dann zum Glück nochmal halbiert und wenn die Gruppe mehr oder weniger so bleibt, dann werde ich wahrscheinlich einen Teil dienstags und den anderen mittwochs machen (jeweils mit einer angenehmen Anzahl von 15-20 Kindern).

Donnerstags steht Cricket auf dem Plan. Donnerstags sind immer die Spiele und meistens ist entweder das Jungs- oder Mädelsspiel auf dem Platz der Walvis Bay Private High School, die bei uns gleich um die Ecke ist, insofern wird keine weitere lange windige Fahrradfahrt benötigt (wie um zum Basketballplatz zu kommen).

Und Freitags gibts dann neben all dem Sport auch noch ein bisschen Gedächtnistraining bei der Mathenachhilfe. Der Stoff ist nicht schwer und es macht auch mal Spaß zwischendurch etwas anderes zu machen, als immer draußen unterwegs zu sein.

Am Wochenende unternehmen wir meistens etwas mit Quinton oder den anderen drei Freiwilligen hier in Walvis Bay. Jana, Marie und Benedikt sind vom Roten Kreuz und arbeiten im Altenheim (Jana) und in "Promiseland", einem Kindergarten in Kuiseb (Marie und Benedikt). Wir waren schon ein paar Mal in Swakop, sind nochmal die Dune 7 raufgekraxelt und haben ein bisschen das Nachtleben von Walvis erkundet. So langsam gewöhnt man sich auch an die Blicke, wenn man als einzige Weiße nachts im Township unterwegs ist.

Jana, Marie, ich, Benedikt und Theo nach unserem Aufstieg auf Dune 7
Jana, Marie, ich, Benedikt und Theo nach unserem Aufstieg auf Dune 7

So, nun zu unserem kleinen, aber doch recht abenteuerlichen Roadtrip:

Nachdem wir Swantje, unsere ASC-Freiwilligen aus Windhoek, Uschi und Tim (zwei deutsche Praktikanten ebenfalls aus Windhoek) in Swakop mit unserem schönen 4x4 Mietauto abgeholt haben ging's los Richtung Süden. Die erste Stunde sind wir noch auf asphaltierter Straße gefahren, dann ging die Gravelroad mitten durchs Nirgendwo los. Auf unserem Plan standen der Naukluft Nationalpark und Sossusvlei. Unsere Pläne wurden jedoch schon am ersten Tag auf eine harte Probe gestellt, als wir ungefähr zwanzig Kilometer vor unserem Zielcampingplatz im Naukluftpark einen platten Reifen hatten. Wie sich nach einigem Probieren herausstellte war unser Wagenheber zu klein und wir hatten gerade das Buddeln angefangen als ein weißer Farmer vorbeigefahren ist und uns seine Hilfe angeboten hat. So haben wir gut zwei Stunden am Straßenrand verbracht - immerhin in sehr schöner Umgebung - bis der Reifen dann nach unzähligen Versuchen und einigem Steineschleppen gewechselt war. Dementsprechend war es dann auch schon dunkel als wir am Campingplatz ankamen und wir haben nur noch kurz was gegessen und dann hieß es ab ins Zelt bzw. Auto.

Am nächsten Morgen ging's dann los mit unserer ersten Wanderung durch den Naukluft Park. Nach einem doch recht happigen Anstieg sind wir dann durch ein ausgetrocknetes Flusstal wieder runtergelaufen beziehungsweise geklettert. Von dem Wasserfall, an dem man laut Reiseführer an einer Kette vorbeiklettern musste und auf den wir uns alle hitzebedingt sehr gefreut hatten, waren leider nur noch ein kleiner algig-grüner Tümpel und die Kette übrig. Aber die kleinen weißen Schmetterlinge, die überall durch das ganze Flusstal geschwirrt sind haben das Ganze fast wieder wett gemacht, aber so ein Wasserfall ist halt doch schwer zu ersetzen.

Am Nachmittag ging's dann direkt weiter nach Sesriem, wo der Campingplatz lag, von dem aus man dann Sossusvlei erreichen konnte. Irgendwann wurden auch die aufgeregten Rufe: "Schaut mal ein Impala", "Da hinten steht ein Strauß" oder "Achtung, da kommen Oryxe" immer leiser und unaufgeregter. Nach einem kleinen Sundowner im Nationalpark hinter Sesriem, in dem auch Sossusvlei liegt ging's dann ziemlich schnell ins Bett, da der Wecker auf 5 Uhr früh gestellt war.

Um halb sechs wird der Park wieder geöffnet und dann sind wir auch schon losgefahren Richtung Big Daddy, der zweithöchsten Düne der Welt. Unser Plan, den Sonnenaufgang auf Big Daddy anzuschauen, hat nicht sonderlich gut funktioniert, da man erstmal eine gute Stunde mit dem Auto dorthin fährt - dementsprechend haben wir den Sonnenaufgang im Rückspiegel genossen. Das letzte Stück bis zur Düne ist dann Sandpad und nur mit einem 4x4 befahrbar. Da aber keiner von uns ein erfahrener 4x4 Fahrer ist, haben wir dann doch lieber ein Shuttle genommen, um nicht wie andere Touristen mitten im Sand stecken zu bleiben. Das hat sich auch insofern gelohnt, dass uns der Shuttlefahrer eine Abkürzung gezeigt hat und wir uns deshalb bestimmt eine Stunde Fußmarsch die Dünen rauf und runter und sehr viel Kraft gespart haben.

Und wir waren ganz alleine auf der Spitze. Als dann die ersten anderen Touristen kamen, sind wir die Düne wieder runtergerannt, was einen Heidenspaß gemacht hat und dann durchs Deadvlei, eine große Salzpfanne mit ein paar ausgedörrten Bäumen zurückgelaufen. Die Landschaft war wirklich atemberaubend und man kommt sich so klein vor, wenn man um sich herum nur Dünen sieht. Auf dem Rückweg hat man dann schon gemerkt, wie die Sonne immer heißer wurde und man konnte auch nicht mehr barfuß gehen, weil der Sand schon so heiß war (um 10 Uhr morgens!!)

Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch in Solitaire (92 Einwohner) den angeblich besten Apfelkuchen Namibias gegönnt, der seinen Namen durchaus verdient. Auf jeden Fall habe ich bis jetzt hier noch keinen besseren gegessen.

Am Wochenende ging's nach Windhoek aufs Colour Festival, was ein sehr bunter Spaß war. Da ich dazu jedoch noch keine Photos habe werde ich wohl später noch etwas mehr dazu schreibe.

Leider muss ich diesen Blogeintrag aus Deutschland hochladen, da ich einen schlimmen Verkehrsunfall hatte und wieder nach Deutschland ausgeflogen werden musste. Hier liege ich jetzt im Krankenhaus und versuche möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, sodass ich endlich wieder zurück kann.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0