Der Norden, Sambia und ein bisschen Botswana

Besser spät als nie: Ich habe es endlich geschafft mich meinem großem Urlaubseintrag zu widmen!

Wie mancher vielleicht schon weiß, waren wir ab Ende April ungefähr drei Wochen auf Sambia-Rundreise...

Nachdem wir uns eine gute Woche lang von dem letzten "term" erholt haben, ging es Ende April los zur großen Geburtstagsfeier in Katima (einer kleinen Stadt im Caprivi-Zipfel, ganz in der Nähe zu Sambia). Da es leider keine direkten Shuttles von Walvis nach Katima gibt, mussten wir über Windhoek fahren, da nur von dort aus ein Bus um 3 Uhr nachmittags fährt. Leider hatte unser Shuttle zwei Stunden vor Windhoek eine Panne und konnte nicht mehr weiterfahren. Zum Glück gibt es hier nette Leute mit Pick-Ups, die einen dann für ein bisschen Entschädigung am Straßenrand einsammeln und mitnehmen. Das einzige Problem ist nur, damit es sich lohnt, wird jeder Zentimeter hinten auf der Ladefläche genutzt (d.h. wir haben uns den Pick-Up mit 8 weiteren Leuten und einem Haufen Gepäck geteilt und es war schön kuschelig). Natürlich war der Bus nach Katima schon weg, als wir endlich in Windhoek angekommen sind, aber irgendjemand meinte, mal gehört zu haben, dass es auch Townshipshuttles nach Katima gibt und nach ein bisschen Sucherei haben wir tatsächlich ein recht schönes gefunden, so dass wir dann nach insgesamt 24 Stunden Fahrt am nächsten Morgen endlich in Katima angekommen sind.

Die Feier verlief dann eher ruhig, was aber nicht so schlimm war, da wir alle von der langen Fahrt noch etwas gerädert waren und am nächsten Morgen sollte es ja gleich weitergehen.

Also hat jeder seine sieben Sachen gepackt (wir waren so um die 20-25 Leute), dann gings mit dem Taxi zur Grenze, jeder hat seine Stempel eingesammelt (wobei natürlich nicht alles so glatt lief wie man es sich vielleicht gewünscht hätte, aber alles in allem sind wir alle nach Sambia reingekommen und hatten am Ende alle unser Visum) und dann gings weiter mit dem Taxi nach Sesheke, einem kleinen Örtchen nahe der Grenze. Dort wurden alle in zwei kleine Shuttles umgeladen, die eigentlich für wesentlich weniger Leute ausgelegt waren, aber mit ein bisschen Quetschen und ein paar eingeschlafenen Beinen geht das schon und man fährt ja nur knappe 3 Stunden bis nach Livingstone. Dementsprechend froh waren wir, als wir endlich im Backpackers angekommen sind und noch glücklicher waren wir, als wir den Pool mit umliegender "Chill-Out-Area" gesehen haben...

Am nächsten Tag stand schon der nächste Programmpunkt auf der Liste: Die Victoria Falls.

Die Victoria Falls zwischen Sambia und Simbabwe sind zwar weder die höchsten noch die breitesten Wasserfälle der Welt, aber wenn man die Gesamtfläche betrachtet die größten. Auf einer Breite von 1 708 Metern stürzt der Sambesi hier rund 108 Meter in die Tiefe, weswegen die Vicfalls nicht ohne Grund zum Weltnaturerbe gehören. Man kann sie theoretisch von beiden Seiten aus betrachten, jedoch haben wir aus Kostengründen (50 US $ Visumskosten für Simbabwe) beschlossen, nur die Sambiaseite zu machen. Man zahlt ein bisschen Eintritt für den Mosi-oa-Tunya National Park, in dem die Wasserfälle liegen, und kann dann auf den ausgeschilderten Wegen die Fälle von verschiedenen Punkten aus sehen. Regenmäntel kann man sich dort ausleihen, was auch sehr zu empfehlen ist, da es nämlich furchtbar nass wird :D

Man kann das Gefühl, das man bekommt, wenn man die Fälle hinter all dem Nebel das erste Mal wirlich sieht (hören tut man sie schon von sehr weit weg) gar nicht beschreiben. Das ist einfach etwas, dass man selber erleben muss, aber jeder der schon mal einen riesigen Wasserfall gesehen hat, kann das glaube ich nachvollziehen. Ich hoffe, die Bilder lassen zumindest erahnen, was für eine Kraft man da sehen und spüren kann...

Aber da wir ja nicht nur auf Phototour gehen wollten sondern auch noch ein bisschen Abenteuer haben wollten, hatten wir vor, Bungee jumpen zu gehen. Leider haben mich die Veranstalter wegen meinem Unfall nicht gelassen, aber die anderen hatten einen Riesenspaß und ich durfte immerhin Seilbahnfahren, was zwar nicht so aufregend aber auch ganz schön war.

Zusammengefasst: Am Ende des Tages sind wir ziemlich müde, nass und voller neuer Eindrücke wieder im Backpackers angekommen.

Am nächsten Tag hat sich die große Gruppe dann aufgeteilt: Die meisten sind wieder zurück Richtung Heimat gefahren, aber Theo, Daniel (unser Freiwilliger aus Windhoek), Lena, Nora (zwei andere Freiwillige, die im Norden Namibias arbeiten) und ich sind in den nächsten Bus weiter nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias gefahren. Auch hier funktioniert das nach dem Prinzip: wenn man noch gemütlich sitzen kann, ist der Bus noch nicht voll genug. Nach 12 Stunden Fahrt sind wir dann mitten in der Nacht in Lusaka angekommen, wurden dann aber kurz danach vom Fahrer unseres Backpackers dort abgeholt und in unsere Unterkunft gebracht.

Nach einem Frühstück bestehend aus Peanutbutter, Marmelade und Weißbrot (unsere Hauptnahrungsmittel für die nächsten Tage) und einer kalten Dusche (es gab leider kein warmes Wasser) haben wir dann erst mal ein bisschen Lusaka erkundet. Da wir inzwischen alle namibische Stadtgrößen gewohnt sind, haben uns die vielen Menschen und Autos erst mal ein bisschen umgehauen, aber da die Leute in Sambia richtig nett sind, haben wir uns doch meistens ganz gut zurecht gefunden. Zuerst haben wir einen recht kleinen Touristenmarkt besucht und dort ein bisschen durch Schmuck, Taschen und Gemälde gestöbert und danach haben wir uns auf den richtigen Markt im Stadtzentrum getraut. Dort bekommt man wirklich alles von Lebensmitteln über Schuhe und T-Shirts bis hin zu Unterwäsche oder Elektronikgeräten. Insgesamt herrschte ein riesiges Gedränge, da der Markt praktisch eine einzige schmale Gasse mit Ständen auf beiden Seiten und noch ein paar Schubkarren oder Tüchern mit Auslagen in der Mitte ist. Und wenn man denkt, dass man als Fußgänger schon wirklich Probleme hat, sich durch die ganzen Menschen durchzuschlängeln, kommt einem auch noch ein Auto entgegen...

Nachdem wir dann erstmal genug von Großstadt hatten, haben wir noch eine Elefantenaufzuchtstation für Elefantenwaisen ein bisschen außerhalb besucht. Dort kommen Elefantenbabys hin, die entweder alleine gelassen wurden oder deren Eltern durch Wilderer oder Unfälle gestorben sind. Das Ziel der Einrichtung ist es, die Jungen so aufzuziehen, dass sie irgendwann wieder in die Wildnis entlassen werden können, was bei einigen auch schon der Fall war. Deswegen kann man die Elefanten auch nur zu Fütterungszeiten sehen, da sie ansonsten nicht in der Station sind.

Nach ein paar Tagen Lusaka gab es dann das komplette Kontrastprogramm. Zwei Freiwillige von Lenas und Noras Organisation arbeiten in einem Krankenhaus in einem kleinen Dorf im nördlichen Teil Sambias. Nach ungefähr 16-stündiger Busfahrt, bei der wir festgestellt haben, dass es doch ganz gut ist, dass wir unsere deutsche Pünktlichkeit noch nicht ganz verloren haben, denn die Busse in Sambia fahren erstaunlich pünktlich los, mussten wir uns noch weitere 2 Stunden zu fünft in ein eher kleines, ziemlich klapperndes Taxi quetschen, das uns über eine Sandstraße, die mehr Schlagloch als Straße war, mitten ins Nirgendwo in das kleine Dörfchen Kasaba gebracht hat. Theoretisch gibt es Strom und fließend Wasser, nur leider ist gerade dieses Wochenende das Wasser komplett ausgefallen und wir haben jedes Mal gefeiert, wenn der Strom wieder angegangen ist, nur um eine halbe Stunde später wieder auszugehen.

Das heißt Wasser wurde in Eimern vom Fluss geholt, musste aber zum Trinken vorher abgekocht werden, so dass sobald Strom da war, der Wasserkocher durchgehend lief. Ansonsten wurden sowohl die Spiegeleier zum Frühstück als auch die Nudeln zum Abendessen über dem Lagerfeuer hinterm Haus gekocht und sonst gab es unser Standardessen: Peanutbutter mit was uns so alles einfällt (Brot, Reis, Äpfel, Popcorn...) Wir haben die Tage über zwar nicht viel gemacht, aber es war einfach sehr entspannend und ich glaube, ich habe selbst in Namibia selten so einen schönen Sternenhimmel gesehen :)

Nachdem wir uns ein paar Tage von den Strapazen der Reisen und der Großstadt ausgeruht hatten, ging es mit Vorfreude und einem Haufen Mückenstichen im Gepäck (bis jetzt waren alle Malaria-Tests negativ :D) wieder zurück Richtung Zivilisation.

Da wir sowieso noch auf den Bus am Nachmittag warten mussten, sind wir noch in die Nachbarstadt Samfya gefahren, die zwar nicht sonderlich viel größer ist, aber dafür einen sehr schönen Strand hat. Laut Reiseführer sollte man in dem See auf keinen Fall baden gehen, da es anscheinend Krokodile gibt, aber nachdem uns mehrere Einheimische und auch die beiden Freiwilligen versichert haben, dass alles sicher ist, sind wir sogar ein Ründchen geschwommen und haben es nicht bereut. Zum späten Frühstück gab es frisch gefangenen Fisch, der uns am Strand verkauft wurde und für ein paar Kwacha (die sambische Währung) mehr wurde er uns sogar noch direkt am Strand zubereitet und gegrillt.

Nach unserer Stärkung und ein bisschen Planscherei waren wir gewappnet für rund 20 Stunden Busfahrt, da wir diesmal in Lusaka nicht übernachtet haben sondern direkt weiter nach Livingstone gefahren sind. Für unsere letzten gemeinsamen Tage haben wir uns noch spontan dafür entschieden, einen Tagestrip in den Chobe National Park in Botswana zu machen, da wir schon von einigen gehört hatten, dass das die 150 US-Dollar wert sei. Und ich muss sagen, sie haben definitiv nicht gelogen.

Der Chobe National Park hat eine der größten Elefantenpopulationen in ganz Afrika und davon haben wir mehr als genug zu sehen bekommen. Nachdem wir nach Botswana eingereist sind, gab es eine kleine Stärkung und dann ging es auch schon los auf eine mehrstündige Bootstour auf dem Chobe. Als der erste Elefant in weiter Ferne gesichtet wurde, wurden natürlich sofort die Kameras gezückt und die Guides haben sich wahrscheinlich heimlich über all die photoverrückten Touristen lustig gemacht, denn natürlich blieb es nicht bei einem Elefanten in der Ferne... Unterwegs haben wir auch noch ein paar Krokodile, Hippos, Büffel, Impalas und Kudus am Ufer, jede Menge Vögel und natürlich ganz viele weitere Elefanten gesichtet. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, die Tiere in freier Wildbahn zu erleben, anstatt in einem Gehege und obwohl wir hunderte von Photos gemacht haben, scheint es doch irgendwie nicht auszureichen, diese wenigen Stunden auf dem Boot einzufangen.

Da uns die Zeit ein bisschen davon gelaufen ist, hatten wir nicht sonderlich lange, um das sehr leckere Mittagsbuffet zu genießen, da ging es auch schon weiter auf den Game Drive. Auch hier sind uns fast alle Tiere über den Weg gelaufen, sogar ein Löwe, wenn auch nur ganz versteckt hinter einigen Bäumen. Auch an Land sind uns immer wieder Elefanten entgegengekommen und einfach mal 2 Meter am Auto vorbei gelaufen und um ehrlich zu sein wird einem da schon ein bisschen mulmig.

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und es war jeden Cent wert :)

Danach war unser Urlaub auch schon so ziemlich vorbei. Es ging wieder im vollgestopften Shuttle zurück nach Katima, wo wir noch eine Nacht bei der Freiwilligen dort übernachtet haben, um am nächsten Morgen ein Shuttle zurück nach Windhoek zu nehmen. Aber weil wir diesen Urlaub noch nicht genug Abenteuer hatten und bis jetzt alles anscheinend viel zu glatt gelaufen ist, hat das natürlich nicht so geklappt wir wir uns das vorgestellt hatten. Nachdem uns am Morgen versichert wurde, dass am Nachmittag noch ein Shuttle fährt, haben wir noch alles mögliche in Katima erledigt und dann auf das Shuttle gewartet. Wir waren nur zu dritt, da Lena und Nora schon am Morgen losgefahren sind und wir haben den Shuttlefahrer ein paar Mal gefragt, ob er auch sicher am Nachmittag noch nach Windhoek fährt auch wenn er keine anderen Kunden hat und die Antwort war jedes Mal: Ja, natürlich. So um 4 Uhr nachmittags hat er uns dann eröffnet, dass er jetzt doch nicht fährt, wir haben aber zum Glück an der Tankstelle noch einen Private Hike gefunden, der uns für einen angemessenen Preis (nach einigen Verhandlungen) zumindest mit nach Rundu mitnehmen konnte, von wo man anscheinend recht gut einen weiteren Hike nach Windhoek bekommt. Also haben wir uns zu fünft plus Gepäck in einen kleinen Twingo gequetscht und ab ging's. Nach einer Stunde hat sich jedoch rausgestellt, dass der Fahrer das Auto von seinem Bruder geborgt hatte und das Auto etwas kaputt war. Aber nichtsdestotrotz haben wir noch ein anderes Auto, das am Straßenrand stand abgeschleppt, wobei jedoch das Abschleppseil durchgehend gerissen ist und dann irgendwann der Gurt mit einer zerbrochenen Glasflasche (Messer hatte keiner) herausgeschnitten und als Abschleppleine benutzt wurde. Irgendwann ist dann der Bruder aufgetaucht und hat uns drei eingeladen und wir sind weiter Richtung Rundu gefahren, mussten jedoch an der Tankstelle im nächsten Ort, auf das andere Auto warten, bis wir nach gut eineinhalb Stunden endlich weiterfahren konnten. In Rundu haben wir letztendlich einen guten Hike nach Windhoek bekommen, so dass wir am nächsten Morgen gut angekommen sind und am Nachmittag endlich wieder zu Hause. Aber immerhin wurden wir für den ganzen Stress entlohnt, da wir auf dem Weg noch ein paar Elefanten gesehen haben.

Da ich unseren Südafrika-Trip ja leider verpasst habe, war das bis jetzt meine einzige große Reise, aber es war eine richtig schöne Zeit mit lauter Eindrücken, die ich garantiert nie vergessen werde.

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Kommentare: 1
  • #1

    Lena (Montag, 20 Juli 2015 15:59)

    Es sieht alles wirklich wunderschön aus !!