Der Countdown läuft - Nur leider viel zu schnell

Fünf Tage bleiben mir jetzt noch in Namibia, davon einer hier in Walvis Bay (den ich größtenteils mit Packen und Saubermachen verbringen werde). Ich habe heute schon allen an der Schule "Goodbye" gesagt und mich von Lehrern, Cleanern und vor allem den Kindern verabschiedet. Natürlich freut man sich auf zu Hause, aber ich glaube ich kann es noch gar nicht so richtig fassen, dass dieses Jahr jetzt von einem Tag auf den anderen vorbei sein soll. Dass man so viele Menschen, die man kennen gelernt und lieb gewonnen hat, die einem ans Herz gewachsen sind und einen manchmal in den Wahnsinn getrieben haben, dass man die Stadt, die Wohnung und die Schule, die doch irgendwo zu einem zweiten Zuhause geworden sind, dass man all das zurück lässt, mit dem wagen Versprechen irgendwann (wenn man Zeit und Geld hat) wieder zu kommen. Ein paar Menschen, die mir hier sehr wichtig geworden sind darf ich zum Glück mit zurück nach Deutschland nehmen :D (das geht an die beste WG ever).

Alles in allem kann man dieses Jahr wohl als "lekker", "/na" oder "nawa" bezeichnen, was alles so viel heißt wie schön oder gut.

Lässt man einfach mal die Gedanken schweifen, dann kommen einem viele kleine Momente in den Sinn, die lustig, berührend aber auch traurig waren. Es gibt Momente, die würde man eigentlich gerne aus diesem Jahr streichen: Wenn man zum zehnten Mal versucht den Kindern etwas zu erklären und sie zum zehnten Mal lieber rumalbern als zuzuhören. Wenn man anbietet jemandem zu helfen und immer nur noch mehr Arbeit aufgehalst bekommt anstelle eines Dankeschöns. Wenn ein Kind grundlos geschlagen wird und man nichts machen kann, außer das Kind hinterher in den Arm zu nehmen. Wenn ein Kindergartenkind von einem Shuttle überfahren wird, weil der Fahrer viel zu schnell und sehr wahrscheinlich auch noch betrunken unterwegs war. Wenn man merkt, dass einige Kinder in der siebten Klasse sind und noch nicht einmal ihren eigenen Namen richtig schreiben können, es aber keinen interessiert und das Kind einfach nur zum Nächsten weitergereicht wird, der sich darum kümmern soll. Wenn man sieht, wie groß der Unterschied zwischen schwarz und weiß doch noch ist und wie abwertend Menschen anderen gegenüber sein können, von denen man eigentlich erwartet, dass sie toleranter sind gerade weil sie so dicht aufeinander leben. Das sind Momente und Erfahrungen, die man vielleicht manchmal lieber nicht gemacht hätte, die aber dennoch dazu gehören und durch die man genauso viel lernt wie durch die guten Zeiten. Auf der anderen Seite stehen aber so viele Momente, die dieses Jahr so wunderbar gemacht haben. Wenn man realisiert, wie wenig viele dieser Kinder eigentlich haben und wie glücklich sie doch sind, wenn einer von ihnen einen provisorisch gebastelten Ball aus Papier und Plastiktüten mitbringt mit dem man in der Pause Fußball spielen kann. Wenn man plötzlich eine Horde von tanzenden Kindern um sich hat, weil man mit Lautsprechern in der Pause Musik spielt. Wenn ein Kind nach der Stunde zu dir kommt und sagt: "It was so much fun today. That was the best PE ever." Wenn dir die Kinder selbstgebastelte Briefe in die Hand drücken mit Gemälden und dem Versprechen, dich nicht zu vergessen und dir sagen, dass sie dich vermissen werden. Wenn einen ein Kind am Ende des Tages umarmt und zehn weitere herrennen, um dich unter sich zu begraben. Wenn man zufällig ein Mädchen im Supermarkt trifft und es dir unbedingt seine Mutter vorstellen will. Wenn man in ein zufälliges Taxi einsteigt und der Taxifahrer sofort fragt "!Nara Primary again?", weil er sich daran erinnert, dass du vor drei Wochen schon mal mit ihm gefahren bist. Wenn ein Hausaufgabenkind endlich den Buchstaben P erkennt. Wenn man im Taxi sitzt und der Fahrer anfängt das Lied, das gerade im Radio läuft in voller Lautstärke mitzusingen und am Ende das ganze Taxi laut mitsingt. Ich könnte jetzt noch ewig so weiter machen, aber ich glaube ihr bekommt eine ganz gute Vorstellung davon was ich meine.

All das (und noch viel mehr, dass mir jetzt gerade nicht einfällt) werde ich mit zurück nehmen und wenn mich jemand fragt, wie ich dieses Jahr beschreiben würde, dann wäre die Antwort wohl: das schönste und schlimmste Jahr in meinem Leben (bis jetzt, ich hoffe natürlich dass das was den schlimmen Teil angeht auch so bleibt, ich halte mich auf jeden Fall immer schön von LKWs fern ;))

Theo hat ein sehr schönes Video zusammen gestellt, das ich hier niemandem vorenthalten möchte (hauptsächlich von seinen Rugbytrainings, aber nach 2 Minuten sind auch ein paar sehr schöne Tanzeinlagen dabei)

Und nachdem Bilder ja bekanntlich mehr sagen als tausend Worte: Bitteschön :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0